Don Kosaken Chor Serge Jaroff

Stimmgewaltiger russischer Männergesang, der in der Baumburger Kirche so richtig zur Geltung kam: die Don Kosaken Serge Jaroff mit ihrem jungen Dirigenten Daniil Jurilov. Foto: sts

Don Kosaken Chor Serge Jaroff begeisterte

Stimmgewaltiger einzigartiger russischer Männergesang in der Stiftskirche

Männergesang und insbesondere Männerchöre hatte über die Jahrhunderte als auch in den verschiedensten Völkern der Erde schon immer eine besondere Note und Wirkung, ja auch etwas Mystisches. Ehrfürchtig genießt man so ein Gesangserlebnis, wie es kürzlich auch in Baumburg zu hören war. Die Meister dieses Genres, der originale „Don Kosaken Chor Serge Jaroff“, der unter Leitung von Wanja Hlibka um die Welt tourt und nun auch in der Baumburger Stiftskirche Station gemacht hatte, begeisterte dort im vollen Gotteshaus.

Muk Heigl, der die Don Kosaken nach Baumburg holte, erinnerte in seiner Begrüßung an ein besonderes Jubiläum: „Zehn Jahre ist es her, als der Baumburger Kultursommer just in der Baumburger Kirche mit Quadro Nuevo ins Leben gerufen wurde.“ In den „Musiksommer“-Reigen der musikalischen Größen unterschiedlichster Musikgattungen und Musikrichtungen reihte sich nun mit dem original Don Kosakenchor Serge Jaroff ein weiteres Monument in Baumburg ein. Wanja Hlibka war es zu verdanken, dass der Don-Kosakenchor, den Serge Jaroff gegründet hatte, nach dessen Tod bis heute weiter geführt werden konnte. Viele Mitglieder des Traditionschores konnten nach dem Sichern der Rechte im Chor von Wanja Hlibka weitersingen. In Baumburg stand ein 13-köpfiges Ensemble des Traditions-Chores vorm Volksaltar unter der Leitung des Nachwuchs-Dirigenten Daniil Jurilov. Was den Chor über die Jahrzehnte hinweg auszeichnete, war auch in Baumburg sein Markenzeichen: kräftige russische Männerstimmen, die sowohl im Chor als auch als Solisten mit ausdauernder Gesangsleistung überzeugten. In der Baumburger Kirche, die ja aufgrund ihrer einzigartigen Akustik auch musikalisch einen besonderen Ort und so für Konzerte das ideale Ambiente darstellt, waren viele gespannt auf die Wirkung dieses aus Funk und Fernsehen bekannten Männerchores. Und der Eindruck war tatsächlich gewaltig. In ihrem Repertoire, das sowohl geistliche Lieder als auch weltliche russische Weisen enthielt, glänzten sie zunächst mit dem „Credo“ von Alexander Gretschinow und dem „Vater unser“ von Nikolay Kedrov. Beide Werke deuteten an, was später mit den Klassikern, die den Chor berühmt machten, noch kommen sollte. Nicht nur die Wirkung des Chores, der einem Instrument gleich von „piano“ bis „fortissimo“ sämtliche (Musik-)Stärken in petto hatte und beherrschte, auch die Leistungen der einzelnen Solostimmen sorgte für lang anhaltenden Applaus in der vollen Stiftskirche. Besonders einzigartig und beeindruckend war die Falsett-Stimme von Stanislav Kriuchkov. Unglaublich lange konnte er die Obertöne halten, überzeugte in seinen Solopartien vor allem bei „Roter Safran“, einer traditionellen Weise.

Traditionelle Weisen sind generell die Stärke der „Don Kosaken“ und genau das, was das Gros des Publikums teils zu stehenden Ovationen hinriss. Herausragend dabei die „Abendglocken“, deren gesungenes „Ding-Dong“ das Kirchenschiff erfüllte, und auch dort wirkten die Soli mit zunehmender Stärke immer mächtiger, raumfüllender. Kaum ein Instrument, das in Klang und Wirkung mit der Dominanz der russischen Männerstimmen hätte mithalten können. Höhepunkt des abendlichen Konzertes war sicherlich Alexander Varlamovs „Grünes Gras und Kalinka“, ein Lied mit Rhythmus, der ins Blut geht und den Inbegriff russischer Lebendigkeit darstellt. Auch hier standen immer wieder die stimmkräftigen Solisten im Mittelpunkt mit ausdauernd gesungenen Passagen.

Zum Ende des Konzerts durfte eine Zugabe nicht fehlen: „Ich bete an die Macht der Liebe“, ein Lied des Predigers Gerhard Tersteegen, das unter die Haut geht, vor allem wenn es von so einem einfühlsam singenden Chor wie den „Don Kosaken Serge Jaroff“ vorgetragen wird. Übrigens: auch heute noch ist der gleichnamige Choral Bestandteil des großen Zapfenstreichs der Bundeswehr. Insgesamt zeigten sich die „Don Kosaken“ auch in Baumburg mit einer überzeugenden Leistung, so dass es nicht verwunderlich ist, das der Chor auf seinen Tourneen von einer große Fangemeinde begleitet wird.  Stephan Schlaipfer