Papa Joe & Band beim Baumburger Kultursommer

Papa Joe brennt für Rock’n’Roll

Mitreißendes Konzert des Innviertlers im Baumburger Gutshof – Leben in Musik gepackt

Von Andreas Falkinger

Natürlich gibt’s die auch, die Bands, die beim ersten Akkord klar machen, wofür sie brennen. Gruppen wie die Papa Joe Band zum Beispiel. Die brennt nicht nur für Rock’n’Roll, die hat auch die Mittel, das Feuer auf der Bühne zu zeigen. Ein Gitarrist, der seine Instrument bis zum letzten Atemzug würgt, ein Bassist und ein Schlagzeuger, die antreiben, Gas geben, genauso konsequent und unbeirrbar der Keyboarder. Und natürlich der Sänger. Ein Sänger, der sein Leben in die Stimme legt. Wenn all diese Komponenten zusammenspielen, dann kann dabei nur eins rumkommen: ein Rockkonzert, das mitreißt. Wie eben das Konzert der Papa Joe Band beim Baumburger Kultursommer.

Elektrisch, erdig, ehrlich – so hat sich das Quintett ankündigen lassen. Elektrisch, klar. Erdig? Wofür steht das? Gesunde Basis, fruchtbar, saftig, dreckig. Stimmt. Trifft alles zu. Und ehrlich? Papa Joes Texte sind gradraus, bisweilen kritisch. Passt. Die Musik: Auch gradraus, klare Linie, Rock’n’Roll, Blues, Krautrock – und das handwerklich durchaus edel. Die Papa Joe Band gibt nichts vor, was sie nicht einhält. Ehrlich – stimmt auch.

Papa Joe ist seit zehn Jahren blind. Das heißt natürlich nicht, dass er blind durchs Leben stolpert. Was ihm stinkt, das macht er zum Thema. Nicht nur, aber auch. Da wird „Sympathy fort he Devil“ mit einem bitterbösen Text versehen, böser als der von den Stones. Kein Spaß für Waffenproduzenten; natürlich auf Deutsch, nein: auf Innviertlerisch. Weil Papa Joe singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Seine Gschichtln erzählt er, ohne den Zeigefinger zu erheben. Aber er zeigt klare Kante. Die Prophezeiung der Apokalypse, die uns laut Mayas im Dezember bevorsteht, macht Papa Joe wenig Freude. Weil sich wieder arme Geister finden werden, die sich rechtzeitig vorher aus dem Leben expedieren. Drum macht er sich seinen eigenen Weltuntergang. In G-Dur, mit einem „Apo-Calypso“ als Zwischenspiel.

Die Gschichtln sind mal ernsthaft, mal spaßig. Humor hat er, der Papa Joe. Da ist es nichts weniger als sonderbar, dass er nicht so bekannt ist wie ein Ostbahn-Kurti. Den Schmäh hätte er, die Rock’n’Roll-Stimme auch. Und die Band macht auch nicht weniger Dampf als die Chefpartie. Unglaublich eigentlich, dass die Papa Joe Band nicht mehr als die 60, 70 Leutchen in Baumburg sehen wollten. Die geben Zunder, an dem sich locker das Zehnfache an Musikfreunden erwärmen könnte.

Dabei scheint‘s Papa Joe egal zu sein, ob er von 60 oder 600 Zuhörern spielt. Kunststück, er kann’s eh nicht sehen. Nein, im Ernst: Er hat ganz feine Antennen, was die Stimmung im Publikum betrifft. Er und seine Band versprühen Energie, und die kommt zurück. Das ist wohl die Hauptsache für ihn – dass was zurückkommt. Damit scheint er in Baumburg durchaus zufrieden gewesen zu sein. Obwohl vermutlich die wenigsten vorher seine Musik kannten, hat das Publikum den Refrain von „Geh hoam“ mitgesungen. Prächtige Atmosphäre, prächtige Band, prächtige Atmosphäre. Ehrlich, erdig, elektrisch. Aber wirklich.