Bet Williams

Musik für die Ewigkeit

Epiphany Project beim Baumburger Kultursommer: Klar, betörend, ungekünstelt

Von Andreas Falkinger

Es sind die schwierigen, die schweren Themen, derer sich das Epiphany Project annimmt. Glaube und Liebe, Heimat und Krieg. Themen, so alt wie die Menschheit. Das Ganze wird minimalistisch instrumentiert – ein elektrisches Klavier, ein Schlagzeug – und eine Stimme, die die Bezeichnung „Instrument“ wahrlich verdient. Bet Williams ist Herrin über vier Oktaven. So ewig wie die Themen klingen die Melodien von Epiphany Project. Als wären sie schon immer da gewesen, als würden sie in Ewigkeit existieren. Und das
alles unter dem ehrwürdigen Gewölbe des ehemaligen Rossstalls im Baumburger Gutshof. Ein Zusammenspiel, das unter die Haut ging.

„Epiphany“ bedeutet Erleuchtung, Erscheinung, Offenbarung, Manifestation. Den Namen haben Sängerin Williams und Pianist John Hodian mit Bedacht gewählt. Sie hoffen beim Songschreiben auf Erleuchtung, erzählt Williams. So wie es aussieht, vielmehr wie es sich anhört, hatten die beiden schon einige davon. Die Melodien sind oft magisch, ziehen alle Aufmerksamkeit in sich hinein – und bleiben doch weit entfernt vom beliebigen Meditationsmusik-Blabla.

Keine zeitgeistige Effekthascherei mit Klangschälchen, Gongs und Zimbeln. Dafür haben die beiden den Schweizer Schlagzeuger Michi Stulz dabei – der genauso hoch konzentriert wie inspiriert bei der Sache ist. Mit seinen extrem differenzierten Wechseln zwischen lauten und leisen Sequenzen stellt er anfangs den Tontechniker vor einige Probleme.

Auf ihren Reisen durch den Nahen Osten, den Kaukasus und Indien haben Williams und Hodian die Musik studiert, haben sie verinnerlicht. Hodians Wurzeln liegen in Armenien. Deshalb hat es auch nichts Aufgesetztes, wenn er in dieser Tradition komponiert. Williams und Hodian bleiben in ihrer Musik glaubwürdig, sie machen Weltmusik im besten Sinn
– ohne überbordende Mystizismen, ohne Mantra- und Chakrengeschwurbel. Williams nimmt sich das „Vater unser“ vor – und singt es in der Sprache, in der es zum ersten Mal gesprochen wurde. Auf Aramäisch. Versteht zwar keiner. Macht aber auch nichts. Man kennt ja die Übersetzung. Es kommt nicht auf die Worte an. Wer religiös berührt sein will, hat ob der Innigkeit des Vortrags Gelegenheit genug dazu. Und die anderen lassen sich von der Melodie und der Reinheit der Harmonien einfangen. Religiosität, die durch Klang die Emotionen anspricht.

Über vier Oktaven singt Williams mal locker hinweg. Dabei versteigt sie sich nicht in mühsam aufgebauten Koloratur-Klettereien – die Übergänge fließen, klar, betörend und ungekünstelt. So klar und ungekünstelt wie die erdigen, die ewigen Melodien.