Mittelalterfest

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Attraktion beim Mittelalterfest zu Baumburg: der Zuber der Wölfin. Foto: Andreas Falkinger

Historie lebendig gemacht

Kultur, Geschichte und überliefertes Wissen: Baumburger Mittelalterfest lässt tausende Besucher in Vergangenheit eintauchen

Das Gaudium zur Purg in Purgstall an der Erlauf, das Moosburger Spectaculum, das Hexentreyben in Rechberg, das Mittelalterfest auf der Burg zue Caprun, Cave Gladium in Furth im Wald, die Mittelaltertage in Freising – die Reihe der Mittelalterveranstaltungen, an denen Letho der Kelte mit seinem Clan Cuallaidh teilgenommen hat, lässt sich beliebig fortsetzen. „Das historische Markttreiben in Baumburg gehört für mich zu den besten Treffen dieser Art“, legt sich Letho fest, der eigentlich Manfred Lederer heißt und in Siegsdorf lebt.

Am Wochenende haben sich wieder tausende Besucher in Baumburg vom Flair des Lagerlebens einfangen lassen. Ritter, Kelten, Römer, Mamelucken, Gaukler, Spielleute, Marketender, Handwerker, Bogenschützen – allein knapp 400 Mitwirkende bevölkerten das Areal an der Klosterbrauerei. „In Baumburg geht’s nicht drum, dass wir die Lücken zwischen den Verkaufsständen füllen und dann letztlich alles auf irgendeine so genannte Mittelalter-Rockband zugeschnitten ist. Hier haben wir Gelegenheit, das zu zeigen und vorzuleben, was uns wichtig ist: Kultur, Geschichte und überliefertes Wissen zu vermitteln“, erzählt Letho der Kelte.

Die Topografie ist für das Lager der Gruppen und Stämme ideal, das Gelände weitläufig, am Horizont die Berge, in Richtung Norden nur historische Gemäuer. Da wird der Besucher beim Eintauchen in die Vergangenheit kaum abgelenkt vom Geschiebe und Gehetze. Ein Mittelalter-Biotop ist da in den letzten Tagen entstanden. Das liegt zum einen an der Umgebung, zum anderen aber auch am Konzept des Organisators Muk Heigl, der größten Wert auf Authentizität legt: „Auf dem Gelände wird auf Elektrizität verzichtet, das Wasser wird in Eimern zu den Zelten geschleppt, im Lager werden keine Zäune aufgestellt – nur einer um die Schmiede, und das aus Sicherheitsgründen. Ein zeitlich festgelegtes Programm gibt’s nicht, bei uns ist immer was los. So muss kein Besucher nach Zeitplan von Attraktion zu Attraktion hetzen. Unser Mittelalterfest ist eine sehr entspannte Angelegenheit.“

Letho unterstützt den Baumburger „Majordumus“ Heigl nach Kräften dabei, die Gruppen auf dem Gelände schlüssig anzusiedeln. Als alter Mittelalterfesthase kennt er ziemlich alle Darsteller, er weiß, welche Stämme zeitlich zusammengehören und hilft bei der Einteilung – auf der einen Seite die Gruppen, die die vorchristliche und frühgeschichtliche Zeit zum Thema haben, auf der anderen die mittelalterlichen Handwerker und Ritter. Der Gang über das Gelände ist eine kontinuierliche Zeitreise.

Die Darsteller nehmen sich viel Zeit fürs Publikum. Sie führen ihre Kampf- und Handwerkskünste nicht nur vor, sie erklären jedem, der Interesse zeigt, unter welchen Umständen die Weber, Lederer, Bauern, Kräuterkundigen ihren Arbeiten nachgegangen sind. Ob sie Glasperlen herstellen, Kettenpanzer flechten oder Leibriemen herstellen – alle Handwerker auf dem Markt sind Meister ihres Fachs. „Angus von der Lederey zum Beispiel würde mit seinem Können und Wissen jede Lederdesign-Firma bereichern“, sagt Letho. Das Handwerk hat für ihn einen sehr hohen Stellenwert: „Wenn wir die Mühen und das erforderliche Geschick zeigen, das die Herstellung von Alltagsgegenständen damals erforderte, dann soll das auch bewirken, dass die Besucher dem Handwerker wieder den Respekt und die Wertschätzung entgegenbringt, die er verdient und die uns mit unserer Wegwerfmentalität verloren gegangen sind.“

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