Mark'n'Simon

Mick Jagger und Joe Cocker „live“

Aller Ehren wert: Mark’n’Simon parodieren jeden, der im Musikgeschäft Rang und Namen hat

Von Andreas Falkinger

Für zwei bezahlen und 40 bekommen. Hört sich nach billigem Jakob an, nach Ramsch vom SSV-Wühltisch. Das war’s gerade nicht. was den Gästen im Innenhof des Baumburger Gutshofs geboten worden ist. Mehr als drei Stunden leichte und unbeschwerte Unterhaltung bereiteten Mark’n’Simon ihrem Publikum. Dass dabei „leicht“ nicht automatisch gleich „seicht“ bedeutet, dafür stehen die beiden Vollblutmusiker seit 30 Jahren. Sie und die rund 40 Kollegen, die sie parodieren.

Natürlich tragen einige ihrer Sketche graue Bärte. Wer boshaft sein will, nennt manchen ihrer Jokes „Sparwitz“ – und trotzdem haben sich die beiden jeden Lacher ehrlich verdient. Weil sie ihre Witze mit ihrem ganz eigenen Mark’n’Simon-Charme vortragen. Und sie dadurch eben jenen „Sparwitzen“ ganz eigene Seiten abgewinnen.

Wenn der Walliser Mark und der Ire Simon auf der Bühne stehen, dann ist das wie Zirkus. Über den Clown wird auch heute noch gelacht, auch wenn er nur Charlie Rivel und Grock kopiert. Mark’n’Simon kopieren nicht nur, sie karikieren – alles und jeden, der im Musikgeschäft etwas bedeutet. Eben weil die beiden Vollblutmusiker sind, sind ihre Parodien so komisch wie perfekt. Als Musikclowns spielen sie in einer eigenen Liga, was sie demnächst auch wieder im „Quatsch Comedy Club“ zeigen werden.

Wer da in Baumburg alles zu Gast war – von Cameo mit „Word Up“ über Sting mit „Englishman in New York“ bis zu den Rednex mit „Cotton Eye Joe“. Manchmal singen und spielen Mark’n’Simon die Stücke original, wie sich’s gehört, und interpretieren sie für das Publikum durch Grimassen neu. Manchmal ändern sie den Text geringfügig und erzielen so maximale Wirkung. Dann wird aus Bobby McFerrins „Don’t Worry, be Happy“ kurzerhand „Be Happy, Don’t Marry“.

Mark’n’Simon parodieren nicht nur, die beiden Wahl-Münchner können auch anders. Eigene Lieder mit eigenen Texten schreiben beispielsweise. Da zeigen sie, dass sie nicht nur ihr berühmtes Dschinglisch, eine Mischung aus Deutsch und Englisch, beherrschen. Nein, sie haben die Sprache und den Geist Goethes und Schillers aufgesogen. Wie sonst wäre diese Strophe zu erklären? „Wenn die Sonne scheint – und du stehst neben mir – das bedeutet doch – dass du nicht weit weg bist.“ Da gibt’s im „Musikantenstadl“ von Muttersprachlern verfasste Texte, die weit sinnbefreiter sind.

Ihr Timing ist so ausgefeilt wie perfekt. Mark kündigt eine Grönemeyer-Parodie an, doch das Band spielt die Begleitmusik zu Frank Sinatras „New York, New York“. Der Walliser reißt einen Frankieboy runter, dass sich der Zuhörer schon in Las Vegas wähnt – und in die „New York“-Pausen werden sinnesschwangere Zeilen aus Grönemeyers „Mensch“ eingeflochten. Herbie und Frankie – das passt überraschenderweise zusammen. Weil’s Mark passend macht.

Wer musikalisch auf so hohem Niveau steht, der verlangt von seinem Publikum völlig zurecht eine „total ausflipping reaction“. Und die bekommt er dann auch. Belohnt werden die Zuschauer mit Elvis, Lady Gaga, den Dubliners, Led Zeppelin, Drafi Deutscher und Smokie. Simon ist offenbar auch die Stimme von Jethro Tull. Für „Locomotive Breath“ haben Mark’n’Simon eine ganz besondere Unterstützung nach Altenmarkt mitgebracht: Ray King, Saxofonist und Querflötist, war einst Mitglied der Elton-John-Band und lebt inzwischen in der Nähe von München. Spätestens jetzt dürfte jedem klar sein: Mark’n’Simon machen nicht nur Klamauk, die haben musikalisch einiges auf dem Kasten. Sonst würde sich ein Ray King dafür kaum hergeben.

Die Mischung ist so verwirrend wie stimmig, eins ergibt sich aus dem anderen. Und alles in Dschinglisch. Nicht alles. Nebenbei lernt das Publikum in neun Sekunden Chinesisch, Australisch und Japanisch. Eine wahrhaft babylonische Sprachverwirrung. Wozu natürlich zwangsläufig der Rolling-Stones-Hit vom „Bridges To Babylon“-Album, „Anybody Seen My Baby“, passt. Da formt Simon sein dehnbares Gesicht – er hat einen Guinness-Buch-Eintrag, weil er 364 Strohhalme gleichzeitig in seinen Mund gesteckt hat – nach Mick Jaggers Abbild und singt mit Jaggers Stimme und zappelt mit Jaggers Gestus, dass man im Auditorium schon ins Grübeln kommen kann, ob das nicht doch vielleich der Jagger ist.

Das Grübeln legt sich schnell wieder, weil bald darauf klar wird, dass Simon eigentlich Joe Cocker ist. „With A Little Help From My Friends“ singt er, und einer der Freunde ist Jim Beam, im handlichen 0,7-Liter-Gebinde. Wobei das eigentlich nicht Cocker sein kann, wird er doch von Ozzy Osbourne begleitet. Nein, es ist „Sexy Boy“ Sonny, der mit seiner Cher Mark „I Got You Babe“ trällert. „Losing My Religion“ von R.E.M. geht nahtlos über in den dazu passenden Tears-For-Fears-Klassiker „Mad World“ in der Version von Michael Andrews und Gary Jules. Nein, es sind eigentlich Take That, die in Baumburg eine Zugabe gewähren. „Back For Good“ singen sie – und 200 Wunderkerzen britzeln. Eine „total ausflipping reaction“ halt.