Luftmentschn beim Baumburger Kultursommer

Locker, leicht, Luftmentschn

Kein Sommer, kein Baumburg, aber ganz viel Kultur: Akustischer Liebesrausch in Altenmarkt

Von Andreas Falkinger

Der Baumburger Kultursommer – eine Zwei-Komponenten-Schönfärberei. Das Kultursommerkonzert der Luftmentschn hat nicht in baumburg stattgefunden und Sommer war auch nicht. Wegen des Wetters disponierte Veranstalter Muk Heigl um: Das Quintett trat im Wamen, Trockenen auf – und zwar im Saal des Altenmarkter Gasthofs „Zur Post“. Was deutlich heimeliger war als den Abend unter wolkenverhangenem Himmel im Gutshof zu verbringen. Wenn auch zwei Bestandteile des Festivalnamens nicht zutrafen – beim Punkt „Kultur“ haben die Luftmentschn das Soll deutlich erfüllt und den Verdruss über den Frühherbst 2010 ganz locker wettgemacht.

Locker, leicht und luftig ist die Musik der Luftmentschn. Und berauschend. Dazu passt der Titel des aktuellen Tonträgers. Wie die Faust aufs Aug‘. „Liebesrausch“ heißt die CD, „finest acoustic art“ nennen die Luftmentschn ihre Musik, mit der sie beweisen, dass Leichtigkeit und Anspruch einander nicht zwangsläufig ausschließen. Dem überlieferten Bild des Luftmentschn werden die fünf studierten Musiker so gar nicht gerecht: Sie mögen sich den Anstrich des Luftikusses, des Lebenskünstlers und Hungerleiders geben, aber ab dem ersten Takt ist zu hören: Das sind wahre Virtuosen.

Mit den Autoren Christian Arsan und Stefan Dressler haben die Luftmentschn Texter gefunden, die ihre Skurrilität, ihre humoristischen Absonderlichkeiten und mimischen Extravaganzen in adäquate Worte fassen. Die Luftmentschn sind ein Gesamtkunstwerk– akustisch und optisch. Sie spielen und singen ihre Stücke und Lieder nicht nur, sie stellen sie dar. Zum Gaudium des Publikums. Florian Starflinger (Geige, Gitarre, Gesang), die Brüder Thomas (Hackbrett, Ziehharmonika, Gesang) und Rainer Gruber (Akkordeon, Gitarre, Gesang), Michael Fenzl (Kontrabass, Gitarre, Gesang) und der schwäbische Neuzugang Jan-Philipp Wiesmann (Schlagzeug, Percussion, Gesang) verstehen es, die Zuhörer regelrecht einzuwickeln. Dem Charme kann sich kaum jemand entziehen. Drum wird auch nach Kräften mitgesungen, wenn Bassist „Unfried“ Fenzl dem Publikum gesteht: „Du machst mich so romantisch.“

Mit ihrem Programm „Gruselett“ gaben sich die Luftmentschn heiter-melancholisch bis morbid-sarkastisch. Bei „Liebesrausch“ komm der frech-frivole Aspekt hinzu – ohne vorher genanntes zu vernachlässigen. Die Musiker haben ihren ganz speziellen Tonfall gefunden – die ideale Ergänzung für ihren musikalischen Tonfall. Mit ihrer Mischung aus Klezmer, Tango, Balkansound, Jazz, internationaler Folklore und bairischer Volksmusik grasen sie auf allen Weiden. Trotz der Vielfalt der Stile, bei denen sie sich bedienen, kommt etwas Homogenes dabei raus. Etwas Eigenes, Spaßiges, Ernstes. Etwas Luftmentschelndes. Unbedingt hörens- und sehenswert.