So eröffnet man den Baumburger Kultursommer: Die LischKapelle im Baumburger Rossstall. Foto: fal

Musik mit Leidenschaft und Spaß

LischKapelle eröffnet den Baumburger Kultursommer: Eine Band, die für die Bühne geschaffen ist

Von Andreas Falkinger

Sommer, das ist – die Älteren unter Ihnen werden’s noch wissen –, wenn die Tage heiß und die Nächte warm sind. Wenn aber Baumburger Kultursommer ist, dann regnet’s noch nicht mal warm, jedenfalls beim ersten Konzert. Kultursommer heißt aber auch, dass das Wetter völlig egal ist. Weil’s dann eben im Rossstall heiß hergeht. Heiß genug, dass Tubist Gurdan Thomas noch vor dem ersten Stück die Schuhe auszieht und in Socken dasteht. Offenbar kann er sich an der Leistung seiner Bandkollegen erwärmen.

Da ist Thomas nicht allein. Mit dem ersten Takt hat die LischKapelle ihr Publikum im Griff. Beim Mitsingen sind die Fans noch ein bisschen schüchtern, aber zum Mitklatschen reicht’s allemal. Und geklatscht wird nicht, weil Bewegung gut gegen Kälte ist – im Rossstall ist es mollig warm, die Heizstrahler tun das Ihre. Nein, die LischKapelle reißt die Leute mit. Vom Fleck weg.

Die LischKapelle hat sich beim Wachsen zusehen lassen – und das personell wie qualitativ. In ihrer Anfangszeit waren Karin und Susi Lischka (beide Gesang und Cajón) mit Andreas Torwesten (Gitarre, Gesang) und Matthias Pürner (Ziach und Keyboard) gediegen und noch sehr brav als Coverband unterwegs. Den ersten Quantensprung brachte der Tubist Thomas aus Birmingham, der dem Quartett in München zugelaufen ist. Der lieferte das Stützkorsett für die filigrane Gesangs- und Gitarrenarbeit. Der LischKapellen-Sound wurde gebundener, klarer, strukturierter. Und mit Markus Urbauer an der Posaune ist das Klangerlebnis LischKapelle perfekt: Er und Thomas – wahlweise an Tuba oder Trompete – stellen einen veritablen Bläsersatz.

Dass die Stücke von ihrer Scheibe „08621“ funktionieren, ist klar. Die haben die meisten Zuhörer im Rossstall im Ohr. Die LischKapelle hat aber auch fünf neue Lieder mitgebracht. Können die sechs jungen Musiker Adäquates nachschieben? Immerhin haben Stücke wie „What Could I Do“, „Need To Let It Go“ und „Dreams“ Ohrwurmqualität. Die Erwartungen sind hoch. Aber es ist doch klar – die neuen Songs funktionieren genauso, das Publikum ist sofort dabei.

Mit Ziach, Tuba und Posaune haben die Musiker eine ganz eigene Klangfarbe kreiiert, mit dem Gesang der Schwestern und Torwestens ist das zum Alleinstellungsmerkmal geworden – auf einem alpenländischen Fundament bauet die LischKapelle ihren Folk-Pop auf, stabil, höchst harmonisch, unabhängig und nie anbiedernd volkstümelnd. Das ist schon ganz was Eigenes und Angenehmes, was die Sechs da auf die Bühne bringen.

Die Band ist augen- und ohrenscheinlich für die Bühne geschaffen. Hier fühlen sie sich wohl; sie bleiben immer im Kontakt mit dem Publikum, auch wenn sie während ihrer Lieder ganz bei sich sind. Mit aller Routine spielen sie wie ganz alte Hasen ihre Lieder, die alten, die neuen und ein paar Coverversionen. Selbst wenn mal ein Einsatz daneben geht, schmeißt sie das nicht aus dem Gleis: Da wird ganz locker drüber gewitzelt – und dann fängt man halt einfach von vorne an. Dabei schaffen sie es, dass die Routine nicht routiniert rüberkommt. Das Konzert ist kein Geschäft, es ist ihnen ein Anliegen, Leidenschaft und Spaß. Ihre Musik ist wie ihr Tourplakat, wie ein Sprung in den See an einem sonnigen Sommertag, erfrischend, eine Gaudi. Aber eben auch erwärmend. Thomas entledigt sich während des ersten Stücks nach der Pause seiner linken, im zweiten Stück dann seiner rechten Socke. Barfüßig steht er da und pumpt den Bass. Egal, wie warm oder kalt es ist: Die LischKapelle liefert den Soundtrack für den Sommer.

(erschienen im Trostberger Tagblatt/Traunreuter Anzeiger)