Dynamite Daze beim Baumburger Kultursommer.

Der zarte und der harte Blues

Baumburger Kultursommer: Hot Shot Bluesband Duo und Dynamite Daze überzeugen auf ganzer Linie

Von Andreas Falkinger

Die Zarten und die Harten, die Hochreinen und die Dreckigen. Ein beeindruckendes Kontrastprogramm hat da der Organisator des Baumburger Kultursommers, Muk Heigl, für seine Krautbluesnacht zusammengestellt: Erst das Hot Shot Bluesband Duo mit Peter Hubauer und Christian Birkner, die mit ihren akustischen Gitarren den ganz besonders feinen Blues zelebrieren, und dann Dynamite Daze, die’s offenbar weniger sauber, dafür aber umso kräftiger bevorzugen.

Hubauer gibt sich mit dem Status quo nicht zufrieden. Er sucht. Der Blues hat viele Schattierungen, und der Landshuter Gitarrist macht sie sich alle zu eigen. Das hat vor 35 Jahren mit seiner damals sechsköpfigen Hot Shot Bluesband begonnen. Immer wieder formierte er seine Gruppe neu, die Band integrierte Latin-, Soul-, Funk-, R&B- und Jazzelemente in ihren Chicago-Blues. Inzwischen sind die Hot Shots ein Trio – Hubauer, Gerhard Eisen und Bernhard Rother. Dazu kommen Go4Hubauer, die dem Blues mit Mundarttexten seine bayrische Seite abgewinnen. Und Hubauers neueste Errungenschaft ist das Duo mit Birkner.

Im Wesentlichen bestimmen Hubauers Kompositionen, die er für die größere Besetzung geschrieben hat, das Programm, dazu kommen ein paar Klassiker von Elmore James und Robert Johnson. Ruhig, fast innig spielen die beiden Gitarristen zusammen, Hubauer die Soli, Birkner den Rhythmus – keine Überraschungen, aber dennoch nie langweilig. Aus dem Schutzraum der virtuos ausgelebten Harmonie heraus schafft sich Hubauer Freiräume für seine perlenden Soloausflüge. So frisch das Duo noch ist, so 100-prozentig aufeinander eingestellt brillieren sie auf der Bühne. Das erzeugt eine immense Spannung, beinahe atemlos hört man den Musikern  zu.

Und dann wird alles anders. Ganz anders. Dynamite Daze machen sofort klar, warum sie den Sprengstoff im Namen führen. Schluss mit zurückhaltenden Feinheiten, jetzt geht’s zur Sache. Didi „Dinamite“ Metzger, Martin „Professor“ Czemmel, Andrea „Luigi“ Tognoli und Colin „The Highlander“ Jamieson kennen nur Vollgas. Aber nicht, weil sie durch Kraft etwaige Schwächen überspielen müssten. Nein, gar nicht, sondern weil ihnen Vollgas Spaß macht.

Die Band gibt’s seit 2001. Allerdings hießen sie erst Boogaloo Kings, dann The Fantastic Boogaloo Kings – und jetzt eben Dynamite Daze. Boogaloo traf’s eh nicht richtig, und explosiv sind sie mit ihrer Interpretation von Blues und Boogie auf alle Fälle. Und um keine Zweifel aufkommen zu lassen: Alte Hasen sind das. Sänger und Bluesharp-Spieler Didi Dinamite war als „Mello Yellow“ Partner von Louisiana Red, der Heidelberger Czemmel studierte am Guitar Institute of Technologie in Los Angeles und tourte mit Luther Allison, Tognoli war Toto Cotugnos Bassist und Jamieson war Mitte der 70er Jahre Schlagzeuger von Country Joe MacDonald und danach unter anderem mit Bill Ramsey, Oskar Klein und Axel Zwingenberger unterwegs.

Sie selbst haben ihre Musik mal „Krautblues“ genannt. Wie die Krautrocker der 60er, 70er Jahre experimentieren und improvisieren sie, lassen’s fließen. Wobe „fließen“ selbstverständlich zu langsam ist. Didi Dinamite ist weniger ein Sänger denn ein Shouter, seine Stimme liegt im Irgendwo zwischen Tom Waits und Kevin Coyne, sehr rau. Er klingt, als sei er gut im Training. Mit Hochprozentigem. Aber das passt wie die Faust aufs Auge, wenn er von Bertram, dem Werwolf singt, wenn er fragt „Who The Hell Needs Love?“ oder wenn er zum „Tango With The Devil“ bittet.

Atypisch ist Czemmels Bühnenshow. Wenn man sie denn als solche bezeichnen will. So ein Gitarrist ist ja nicht unbedingt der unwichtigste Musiker einer gitarrenlastigen Bluesband. Aber Czemmel steht am Bühnenrand. Bisweilen tauscht er seine Stratocaster gegen eine Gibson, das war‘s aber im Wesentlichen mit heftigen Bewegungen. Stoisch steht er da. Nur seine Finger flitzen. Ohne Ende, rauf und runter, der haut einen Kracher nach dem anderen raus, zwischendrin eine kurze Hendrix-Reminiszenz, dann das Bottleneck raus und fertig ist das Slide-Solo. Heftig.

Tognoli legt derweil am Bass das Fundament. Am Fünfsaiter. Den hat er nicht, weil das schick ist, einen fünfsaitigen Bass zu spielen, sondern weil er die fünfte Saite braucht. Es geht ab. Und über jeden Zweifel erhaben ist Drummer Jamieson. Der hat ein Schlagzeug um sich rumgebaut, als wollte er nie wieder dahinter hervorkommen. Ein Großmeister des Groove. Der haut Schlagzeugsoli raus, die von vielem künden, nur nicht davon, dass der Mann am Schlagwerk das Rentenalter erreicht hat. Das ist wahrlich hörenswert, was das Quartett zu bieten hat. Nichts für beschauliche Sommerabende. Aber definitiv was für heiße.

Erschienen am 2. Juli 2013 im Trostberger Tagblatt/Traunreuter Anzeiger

www.dynamitedaze.com

www.hotshotbluesband.de