G.M. & the Bluesbusters beim Kultursommer in Baumburg

Kontrastreich, dynamisch, Klasse

G.M. & the Bluesbusters beschließen den vierten Baumburger Kultursommer mit heißem Konzert

Von Andreas Falkinger

Wer die fünf Männer auf der Straße sieht, dem fiele im Traum nicht ein, dass sie in einer Band zusammenspielen. So unterschiedlich die Ausstrahlung der Musiker, so harmonisch ist ihr gemeinsames Auftreten auf der Bühne: G.M. & the Bluesbusters haben das Sprichwort „Beurteil‘ ein Buch nie nach dem Umschlag“ mit ihrem Auftritt beim Baumburger Kultursommer im ehemaligen Rossstall des historischen Gutshofs voll bestätigt.

Die schillerndste Figur des Quintetts ist mit Sicherheit Arno Wahler. Der Pianist der Bluesbusters schaut aus, als sei er ein Ramone der ersten Stunde. Ein Punkrocker mit langen, schwarzen, zotteligen Haaren und einer verspiegelten Sonnenbrille. Weit gefehlt. Der 58-Jährige groovt, bluest und shuffelt, was das Zeug hält. Keine rohe Punk-Energie – klare Linien sind angesagt, klassische Anleihen. Und ganz viel Gefühl. Wahler ist nicht umsonst Dozent für Jazz- und Popularmusik an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in München. Der Mann hat’s drauf. Auch wenn er ein Bluesbuster ist – der Blues allein ist ihm zu eng. Das zeigt er nicht zuletzt bei seinem Solo beim Allman-Brothers-Band-Klassiker „Jessica“ von Dickie Betts: Chuck Leavells berühmtes Piano-Solo schüttelt er astrein aus den Handgelenken.

Das optische Kontrastprogramm in der an Kontrasten alles andere als armen Band bietet Schlagzeuger Peter Janotta. Schwarzer Hut, rot umrandete Ray-Ban-Sonnenbrille – Janotta ist die Reinkarnation von Bluesbrother „Joliet“ Jake alias John Belushi. Er verzieht keine Miene, trommelt seinen Stiefel runter – aber was für einen! Immer auf dem Punkt setzt er die Akzente. Der 46-jährige Oberwössner hat schon bei der Daxenberg Blues Band gezeigt, dass an ihm in der Chiemgauer Bluesszene kaum ein Weg vorbeigeht. Der gelernte Schriftsetzer spielt quasi druckreif.

Was macht den Sound einer eigentlich gitarrenlastigen Bluesband erst so richtig rund? Ein Gebläse. Der Überseer Peter Lechner baut ordentlich Druck am Saxofon auf – und ab. Mit 13 hat ihm die Musik von Ray Charles, B.B. King, Sam & Dave und Supercharge einen Strich durch die Blockflötisten- und Klarinettistenkarriere gemacht. Das kommt jetzt den Bluesbusters zugute. Und wie. Das Saxofon treibt die ohnehin ausgeprägte Dynamik der Band weiter voran.

Oberflächlich besehen agiert Christian von Le Suire relativ unauffällig, von seinen gelegentlichen Soli mal abgesehen. Da lässt er’s krachen. Und ansonsten macht der Bassist das, worauf’s ankommt – ob am E-Bass oder am Kontrabass. Das als grundsolide oder nur mannschaftsdienlich zu bezeichnen, wäre aber schlicht zu wenig. Von Le Suire setzt Akzente, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Zu seinen Vorbildern zählt er Ray Brown und Colin Hodgkinson. Das zeigt den Anspruch, den er an sich stellt. Und den er durchaus ansprechend erfüllt.

Er sieht zwar nicht so aus, aber G.M. alias Georg Meier ist so etwas wie ein Urgestein der Chiemgauer Musikszene. Der Zimmerer aus Oberwössen hat vor 33 Jahren die Band Riff Raff mitbegründet und vor 29 Jahren die Daxenberg Blues Band, mit der er Festivals in Bayern, Österreich und Ungarn bespielte. Er drückt natürlich mit all seiner Routine und seinem Können den Bluesbusters seinen Stempel auf. Mit seiner Strat ist er auf den Spuren Duke Robillards und Jimmie Vaughans unterwegs, Meier rockt den Blues. Gleichzeitig überzeugt er mit seiner angenehmen Singstimme. Dass er ins Bluesgewand nicht bedingungslos eingenäht ist, zeigt er, wenn er mitten in Robillards „Midnight Cannon Ball“ Anton Karas‘ „Dritten Mann“ einbaut. So spielerisch er mit den Klassikern umgeht, so geläufig sind ihm seine zahlreichen Eigenkompositionen gelungen.

Das spielerische Element macht einen Großteil des Gesamtsounds der Band aus. Das Publikum merkt sofort, dass da nicht nur Könner auf der Bühne stehen, sondern dass sie ihren Spaß an dem haben, was sie dort aufführen. Das reißt mit, es gibt kein Entrinnen. Wenn G.M. & the Bluesbusters musizieren, dann tanzt man auch im Sitzen. Ein wirklich würdiger Abschluss des vierten Baumburger Kultursommers. Große Klasse.