Die Vampertinger aus Schnaitsee

Eine Fetzngaudi mit den Vampertingern

Theatergemeinschaft Schnaitsee lässt’s beim Baumburger Kultursommer krachen – Und das Alphorn bläst Bonanza

Von Andreas Falkinger

Die hauen richtig rein, die Schnaitseer. Erst sorgen sie mit ihrem Film „Es schmeckt nach Leb’n“ für Besucherrekorde in den heimischen Kinos, dann spielen sie in Baumburg auf der Kultursommer-Bühne auf, als sei die für sie – und nur für sie gemacht worden. Unnötig zu erwähnen, dass der Innenhof des historischen Gutshofs zur Freiluft-Premiere von „Die Vampertinger“ natürlich rappelvoll war.

Es ist ein großes Gaudium, das „bayrische Grusical“ von Gerlinde Wöhrl. Die Theatergemeinschaft Schnaitsee hat sich ein Stück ausgesucht, mit dem es die ausgetretenen Komödienstadl-Bauerntheater-Pfade hinter sich lassen kann. Keine Magd, kein Großknecht, kein Großvater, kein Bauer, keine nostalgische Schilderung des unverdorbenen Landlebens, wie es niemals war. Brauchen die alles nicht. Die Schnaitseer Theaterer nehmen sich einen Stoff vor, von dem von vornherein klar ist: Das ist eigentlich ein gscheiter Krampf. Vampertinger. Eine Kreuzung zwischen Vampir und Wolpertinger.

Gut, der Krampf ist nicht größer als „Bis(s) zum Morgengrauen“. Aber lustiger. Weil die Theatergemeinschaft richtig Spaß am Spielen hat. Wenn die Grundhandlung derart irreal ist, dann kann man halt ordentlich hinlangen. Da kann’s durchaus vorkommen, dass die Alphornbläser im ersten Stock aus den offenen Fenstern „Bonanza“ blasen. Weil’s grad so schön passt, oder auch nicht. Eine Fetzngaudi.

Überhaupt: Es wird viel musiziert – auf der Bühne, hinter der Bühne, neben der Bühne. Wo grad Platz ist. Da eine zünftige Blasmusik, dort ein wohltemperierter vierstimmiger Männergesang, hier eine geläufige Zithermelodie. Klar: Grusical kommt von Musical, selbstverständlich wird da gesungen, gezithert und geblasen.

Die Handlung des Stücks? Ist zwar zweitrangig, aber vorhanden. Hauptsächlich sind „Die Vampertinger“ eine abendfüllende Gelegenheit für Schauspieler und Zuschauer, unbeschwert Spaß zu haben. Die Wolpertingerin (Anita Meisl) verschaut sich in den Vampir Graf Krolock (Josef Rieperdinger), der sein Schattendasein in Transsylvanien satt hat. Weil er sich zurückverschaut, kommt’s wie’s kommen muss, auch wenn’s Bluthardt, der Geist des Berges (Thomas Schachner), gar nicht leiden kann: Ruckzuck sind fünf Kinder da – Kare (Wolfgang Kinzner), Lucke (Robert Huber), Grole (Fabian Schluck), Fonse (Thomas Schmidinger) und Zenzi (Maria Lamprecht). Besagte Vampertinger, vier Burschen, ein Dirndl. Die haben Probleme. Wie andere Heranwachsende eben auch. So ähnlich zumindest. Sie pubertieren, sind frech, nicht zu bändigen. Und sie wollen unbedingt Preißnzuzln. Also ein bisserl anders als die üblichen Pubertierenden. Sie schnappen sich zwei Sommerfrischlerinnen samt Fremdenführer und saugen sie aus.

Das muss zu Verwicklungen führen, weil die nervigen Adventuretrip-Touristinnen – man mag’s kaum glauben – tatsächlich vermisst werden. Schadet dem Tourismus, wenn Urlauberinnen blutleer rumliegen. Da macht man schon mal auf Vampertinger Jagd und stellt den einen oder den anderen ausgestopft ins Heimatmuseum. Mit Hilfe der Durlhex (Elisabeth Lamprecht), die in ihrem früheren Leben verbrannt wurde, heute aber für ihre Schandtaten eher ins Fernsehen käme, werden alle zwischenzeitlich im Orkus Weilenden wieder zum Leben erweckt und alles geht gut aus. Sogar für die Vampertingerin Zenzi und ihren Fremdenführer Hias (Remus Heigl). Und für die beiden Polizisten, von denen der eine die Durlhex und der andere endlich einmal ungestraft gesagt bekommt, was er ist. Wenn Schnaitsee tatsächlich einmal eine Landgendarmerie benötigen sollte: Mit Hans Gmeindl und Meinrad Reiter steht die Traumbesetzung schon fest. Die Sennerin (Roswitha Behr) findet ihr Rindvieh, ohne dass das wesentlich wichtig wäre. Eine Fetzngaudi.