Zur Zugabe vereint: Klima und Omnitah.

Zur Zugabe sind Omnitah und Klima auf der Bühne vereint und begeistern gemeinsam das Publikum im Innenhof des Baumburger Gutshofs. Foto: fal

Starke Frauen mit starker Musik

Klima und Omnitah beim Baumburger Kultursommer: Lieder mit Herz und Hirn

Von Andreas Falkinger

Deutschrockfolkpop. Das Wort klingt erst einmal so plakativ wie indifferent und unausgegoren. Ein musikalischer Bauchladen, für jeden etwas. Komm‘ Se her, komm‘ Se ran, hier werden Sie bedient. Auf alle Fälle. Rock? Kriegen Sie. Folk? Können Sie haben. Pop? Auch, selbstverständlich. Ein Programm zur Gewinnmaximierung. Könnte man vermuten, ist es aber nicht. Zumindest nicht, wenn Omnitah und Klima unter dem Motto Deutschrockfolkpop auf der Bühne des Baumburger Kultursommers zusammenfinden.

Ja sicherlich, sie machen Rock und Folk und Pop, Omnitah ein bisserl weniger Rock, Klima ein bisserl mehr. Aber auf die Kategorie kommt’s gar nicht an.  Es ist ja nicht so, dass sich die Musikerinnen vornehmen: So, jetzt machen wir einen Popsong und dann machen wir noch einen Folksong… Omnitah und Klima schreiben Lieder – ihre Lieder. Ob die der Theoretiker in die Pop-Schublade legt oder in die Rock-Tasche oder in den Folk-Schrank ist völlig einerlei. Sie machen ihre Musik. Ihre. Selbstbewusst, ganz bei sich.

Deutschrockfolkpop. Das sagt – bei aller Verwaschenheit – aber einiges aus über das Selbstbewusstsein und den Mut der Künstler. Es wär so einfach, sich und seine Banalitäten hinter englischen Texten zu verstecken. Gefällige Melodien, bescheuerte Texte – das kennt man nicht erst seit „Lemon Tree“ von Fools Garden: „Isolation is not good for me.“ Heiße Luft, eiskalt serviert. Ginge. Geht immer, wie die Hitparaden Woche für Woche beweisen.

Nein, sie verstecken sich nicht hinterm Englischen, hinter Texten, die der eine Teil des Publikums nicht versteht und über die sich der andere Teil keinerlei Gedanken macht. Omnitah und Klima ducken sich nicht weg. Das bedingt einen Qualitätsanspruch an sich selbst. Es stellt sich ja keiner auf die Bühne, um sich zu blamieren. Außer DSDS-Teilnehmer vielleicht. Weder Omnitah noch Klima wollen, können billig. Sie haben zum einen was zu erzählen und können das zum anderen auch ausdrücken. In Worten und in Melodien, die zu den Worten passen. Pop, Rock, Folk, Soul, Jazz – wen interessiert’s, wie man das nennen könnte? Man bekommt, was man sieht und hört: 100 Prozent Omnitah, 100 Prozent Klima.

Die im nordrhein-westfälischen Erkelenz lebende gebürtige Schwedin mit ungarischen Eltern, von denen die Mutter am Chiemsee wohnt, hat am Mozarteum studiert, in Salzburg gemodelt, in München ein Studio aufgebaut und eine Plattenfirma gegründet, in Mönchengladbach Schauspielunterricht genommen. Sie spricht fließend Ungarisch, Deutsch, Englisch und Schwedisch. Viele Stationen – aber wo sind ihre Wurzeln? Nationalitäten spielen für sie kaum eine Rolle. Die Mutter Konzertpianistin, der Vater Geigenlehrer, sie Siegerin bei „Jugend musiziert“: Ihre Heimat, ihre Kraftquelle ist die Musik. Eine immense Kraft schöpft sie daraus – selbst die leisen, behutsamen Passagen ihrer Lieder sind von dieser unerschütterlichen Kraft durchstrahlt. Vier Oktaven umfasst ihre glasklare Stimme, die gern mit der von Norah Jones verglichen wird. Doch solche Vergleiche braucht sie nicht.

„Das bin ich“ heißt folgerichtig die CD, die Omnitah in Baumburg vorstellt. Mit 14 Titeln sich selbst definieren, sein Innerstes nach außen kehren zu wollen, erscheint gewagt. Doch das gelingt Omnitah – sie erzählt ihre Geschichten, ihre Geschichte, sie gibt Verletzungen preis, Enttäuschungen, Freude, Momente ihres Glücks. Auf der Bühne, ganz allein mit Piano und Geige gelingt ihr das viel besser als im Studio. Manche Stücke sind auf der CD überarrangiert, ihre Stimme und ihr Rhythmusgefühl werden bisweilen von Streichern und Schlagzeug zugekleistert. Auf der Bühne ist Omnitah auf sich selbst gestellt, kein Schatten ihrer selbst. Und das ist gut so.

„Ich muss nicht sein, was ich nicht bin.“ Auch bei den Klima-Schwestern geht’s nicht ums handelsübliche Popgeplänkel. Wer bin ich, wo stehe ich, wohin will ich, was ist mir wichtig? Schwierige Fragen, denen nicht wenige Kollegen schmalzige, kitschige Aspekte abringen, die sie aber mit musikalischer Leichtigkeit und gleichzeitig mit viel Tiefgang für sich beantworten – und für viele ihrer Hörer gleich mit. Musik ist für die Schwestern eine ernsthafte Sache, an die sie ohrenfällig mit viel Spaß herangehen. Sie halten locker die Balance zwischen Bedeutungsschwere und Unterhaltung.

Texte sind wichtig. Aber nicht alles. Klima können ihre intelligenten Texte ausnehmend gut in intelligente Musik kleiden. Dazu kommt ihr harmonisch ausgezeichnet aufeinander abgestimmter Gesang. Und eine hervorragende Band: Jan Bartikowski würgt seine Stratocaster, wenn sie gewürgt, und streichelt sie, wenn sie gestreichelt werden muss. Frank Thumbach am Bass macht keine Gefangenen und Schlagzeuger Jochen Enthammer variiert sein Spiel mit ganz viel Gefühl. So eine Begleitband ist die halbe Miete. Die ganze wird’s aber erst durch Vera und Sarah Klima. Hier liefert jede und jeder ab – auf dem Punkt.

Zur Zugabe steht dann die geballte Frauenpower auf der Kultursommer-Bühne: Omnitah begleitet Klima auf ihrer Violine, als ob sie nie was anderes gemacht hätte. Da stimmt die Chemie offenbar – und das Publikum ist zu Recht restlos begeistert. Nein, Deutschrockfolkpop reicht bei weitem nicht, so einen Abend zu umreißen. Starke Frauen, starke Musik. So schaut‘s aus.

erschienen am 12. Juni 2013 im Trostberger Tagblatt/Traunreuter Anzeiger

Homepage von Omnitah: www.omnitah.de

Homepage von Klima: www.klimamusik.de