Mark'n'Simon beim Baumburger Kultursommer

Bemüht, aber mehr auch schon nicht

Mark’n’Simon beim Baumburger Kultursommer: Gastmusiker können nicht von deutlichen Schwächen des Programms ablenken

Von Andreas Falkinger

Da fehlt’s. Nicht an allen Ecken und Enden, aber schon deutlich. Irgendwann ist so eine Nummer mal durch. Mark Nicholas aus Wales und Simon Elmore aus Irland touren seit rund drei Jahrzehnten mit ihrer „Musicomedy“ durch die Lande. Seit 30 Jahren machen sie ihre harmlosen musikalischen Späßchen, seit 30 Jahren pflegen sie als Bühnensprache „Dschinglisch“, eine Mischung aus Deutsch und Englisch. Beim Baumburger Kultursommer hat man sie vor drei Jahren schon einmal gesehen – und das deutlich stärker als am Freitagabend an gleicher Stelle.

Natürlich haben sie Potenzial, sonst hätten sie’s kaum 30 Jahre lang geschafft zu touren. Natürlich hat das Charme, wenn sie zweistimmig wie Simon und Garfunkel singen und durch die jüngere Musikgeschichte kalauern. Aber ob man’s auf Dauer sehen will, ist fraglich. Da ist kaum noch Entwicklung drin. Wer das Programm vor drei Jahren gesehen hat, den kann das Programm 2012 kaum überraschen. Gut, Mark zieht sich den roten BH an, um die Shakira in Baumburg zu geben. Hat er vor drei Jahren noch nicht gemacht. Im gleichen Outfit gibt er dann Nicole Kidman oder Nancy Sinatra mit seinem Duettpartner Simon als Robby Williams oder Frank Sinatra. So genau weiß man’s nicht. Zumindest singen sie „Somethin‘ Stupid“. Und so ist auch ihr Programm über weite Strecken.

Sie spüren vermutlich selber, dass das auf Dauer nicht mehr trägt. Drum bringen sie musikalische Gäste mit. Den Saxofonisten, Klarinettisten und Flötisten Ray King zum Beispiel. Oder diesmal zusätzlich „The Professor“ Trevor Coleman aus Neuseeland, einen preisgekrönten Musiker, Musikproduzenten und Multiinstrumentalisten. Coleman war als Komponist drei Mal für den Emmy nominiert, schrieb und produzierte mehr als 80 Soundtracks. Das ist grundsolide, was der an Keyboards, Trompete und Akkordeon abliefert. Aber er macht sich als Musikclown schon auch zum Deppen. Bierpritscheln und ein offener Hosenstall, das ist an Komik-Elementen für drei Stunden halt ein bisserl dünne.

Man könnte es ahnen: Als Referenzen geben Mark’n‘Simon an, dass Entertainer wie Thomas Gottschalk und Alfred Biolek zu ihren bekennenden Fans zählen. Das atmet ein wenig 80er, 90er Jahre. Biolek darf noch ab und an auf den Dritten rumleckern, Gottschalk entscheidet demnächst neben Bohlen, dem Titanen des guten Geschmacks, wer ein Supertalent mit der Halbwertszeit von zwei Monaten ist.

Entsprechend spritzig ist das Programm von Mark und Simon. Ein bisschen viel Sparwitze, ein bisschen viel lustige Hüte, falsche Gebisse und komische Kostüme. Das hat den Charme einer Karnevalsstunksitzung. Stört nicht, braucht aber auch keiner. Sie haben ihre starken Momente – die Klassiker kommen immer an. Simon als Joe Cocker oder Simon als Mick Jagger und Mark als Keith Richards. Aber auch da sagt der ausgewählte Song vieles: „Anybody Seen My Baby?“ von der 1997er Scheibe „Bridges to Babylon“. Alte Schinken halt. Und Marks Parodie auf einen Schlagerstar vom Format eines Howard Carpendales – das braucht doch auch keiner mehr. Der kann ja noch nicht mal mehr als musikalisches Feindbild herhalten. Da fehlt’s. Mindestens an der Frische.