Ausstellung "Licht" von Harald C. Lössl in der Baumburger Galerie.

Lössls Leuchten schaffen Ruheräume

Ausstellung in der Baumburger Galerie im Gutshof: Meditativer Kontrapunkt zum Alltagsgeschiebe

Von Andreas Falkinger

Harald C. Lössl malt mit Acrylglas, mit Stahl, mit Strom, mit Licht. Die Lampen des Lichtdesigners aus Obing sind nicht einfach nur Beleuchtungskörper, Lössl inszeniert sie und damit gleichzeitig den Raum, in dem sie stehen. Seine Objekte spenden Licht – und Atmosphäre. Obwohl die Baumburger Galerie im Gutshof mit ihren Säulen und ihrem Gewölbe atmosphärisch schon ordentlich in Vorleistung tritt: Die Objekte Lössls setzen noch einen drauf, verleihen dem Gemäuer einen einerseits modernen, andererseits beinah sakralen Charakter. Bei aller Erhabenheit zeugen die Arbeiten aber auch vom ausgeprägten Spieltrieb Lössls.

Der Künstler setzt sich mit dem Kern der bildenden Kunst auseinander: mit dem Sehen. Zum einen durchbricht er die Sehgewohnheiten, die dem Zeitgeist unterworfen und von der überbordenden Bilderflut der omnipräsenten elektronischen Medien geprägt sind. Seine Leuchten schaffen Ruheräume, die sich bewusst gegen Reizüberflutung stellen. Das heißt nicht, dass Lössls Objekte mit Reizen sparen – sie setzen sie ganz akzentuiert und bewusst, das Licht drängt alles Überflüssige in den Schatten.

Reduktion aufs Wesentliche, den Blick unaufdringlich lenken und leiten – das ist Lössls Prinzip sowohl in der Ursache, als auch in der Wirkung. Ursache: Das Design der Leuchten ist aufs Wesentliche reduziert: Buntes Acrylglas, Lochbleche, Drahtgeflechte, Stahl verleihen den Objekten eine so filigrane wie klare Formensprache. Wirkung: Die Lichtgemälde, die Lössl an die Wände wirft, bieten dem Betrachter eine eigenartige Reinheit und Stille, eine Gelegenheit, sich wohlzufühlen. Aus einem Raum wird ein Kunstraum, in dem es nur noch um die Wahrnehmung selbst geht. Lössl setzt meditative Kontrapunkte zum Alltagsgeschiebe.

Dass die Lampen und ihr Schein meistens an Augen erinnern, ist ein so witziges wie konsequentes Detail des Konzeptes. Alles dreht sich um Optik, ums Sehen, um Licht und Schatten. Zwangsläufig sind Augenlicht und Lichtaugen die Mittel, das adäquat auszudrücken.

Lössls Arbeit kann mit Leichtigkeit für sich alleine stehen, sie funktioniert aber auch im Kontext mit dem Werk eines Roy Lichtenstein. Der verwendete ein Metallmaschenraster, um die gepunkteten Grundflächen seiner auf Comicstrips aufbauenden Gemälde aufzutragen. Statt der Pigmente gießt Lössl Licht durch solche Maschenraster, erzielt aber einen ähnlichen Effekt. Besonders deutlich wird das bei einer Leuchte, mit der er ein Bild mit verschiedenen Siebdrucken durch ein Lochraster illuminiert und damit eine zweite Ebene im Bild erzielt. Diese ätherische Wirkung dokumentieren auch die Fotoarbeiten, die Lössl in der Galerie im Gutshof zeigt.

Homepage des Künstlers: www.bobsini-design.de