Alfons Hasenknopf lebt Musik. Foto: fal

Aufenthalt in der Komfortzone

Alfons Hasenknopf & Band beim Baumburger Kultursommer: Stimmig auch in seiner Vielfalt

Von Andreas Falkinger

Das Musikgeschäft ist ein Haifischbecken – fressen oder gefressen werden, das ist die Devise. So ein Schmarrn, hohle Phrase mitteltalentierter Künstler, die die Härte des Metiers und somit entweder ihre eigene Härte oder die Gründe ihres Scheiterns dokumentieren. Es  geht aber auch anders: Das Musikgeschäft ist dazu da, Menschen Freude zu bereiten, sie zu unterhalten, zu berühren, zu begeistern und dabei die eigene Begeisterung auszuleben. Das  ist der Ansatz von Alfons Hasenknopf und seiner Band. Ein Ansatz, den er bei seinem Konzert beim Baumburger Kultursommer greifbar in den Innenhof des ehemaligen Gutshofs gestellt hat.

Wenn es tatsächlich stimmen würde, dass das Geschäft ein Haifischbecken ist, dann schwimmt Hasenknopf derweil in einem frischen, klaren Gebirgsbach und bleibt von Raubfischen unbehelligt. Lebt da in seinem eigenen Biotop, macht, was ihm und seinem Publikum gefällt. Alltag raus, Stress raus, Hektik raus, Spaß rein, Gefühl rein, Menschlichkeit rein. Hasenknopf rein. Hasenknopf-Konzerte sind Aufenthalte in der Komfortzone.

Ist das seine Masche? Singt einen Hymnus auf die Heimat, ein Lied auf die Freundschaft. Vom schönsten Moment, der immer jetzt ist. Dass er sich treiben lässt. Temporeduzierte, gefühlsbetonte Musik zu sehr persönlichen Themen, die aber doch alle angehen. Ist das Hasenknopfs Masche? Eher nicht, Masche ist das keine. Der ist so. Ihm nimmt man ab, wovon er singt, weil er sich auch außerhalb seiner Lieder genauso gibt. Sich in andere reinfühlen, jedem eine Chance geben, Nachsicht anderen, aber auch sich selbst gegenüber üben – das scheint Hasenknopf umzutreiben. Das zeigen die Lieder, bei denen er seine Tochter auf die Bühne holt: Natürlich kann das Mädchen beim extrem hohen musikalischen Niveau von Hasenknopf, Steffi Rösch und Michi Leitinger noch nicht mithalten. Aber wurscht. Weil’s trotzdem passt. Das ist nicht nur Vaterstolz, den der Künstler da auslebt. Er wirft Mariana nicht einfach ins kalte Wasser, er nimmt sie bei der Hand und führt sie rein in die Musik, sie darf sich vor Publikum beweisen und behaupten. Er traut ihr das zu – und Mariana gewinnt an Stärke, an Selbstbewusstsein. Dabei Augenzeuge zu sein ist so rührend wie erhebend.

Nein, das ist keine Masche, wenn er vom „Zeit hom“ singt oder vom „gresdn Wert“. Gesundheit ist das wichtigste, der Floskel-Detektor schlägt aus wie wild, das Phrasenschwein macht sich bereit für die Fütterung. Von wegen. Das ist eben keine hohle Phrase. Vor drei Jahren hat Hasenknopf ein Schlaganfall niedergestreckt, er musste sich vieles, was vorher selbstverständlich war, was ihm leicht von der Hand ging, wieder hart erarbeiten. Wer wenn nicht er dürfte ein Lied über den Wert der Gesundheit scheiben? Da ist’s schnell vorbei mit der Worthülse, die wird mit Leben gefüllt. Man glaubt Hasenknopf, wovon er singt. Man darf ihm trauen.

Das liegt auch daran, weil er so Musik macht, wie er sie macht. Ein Etikett braucht er dafür nicht. Er hat kein Problem damit, in ein und demselben Konzert zu rocken und zu jodeln, Balladen und Reggae zu singen. Wenig konsistent? Egal, weil’s stimmig ist. Die Musikform, die Rhythmik, die sein Gefühl am besten ausdrückt, die wird gewählt, so bewusst wie instinktiv. Hasenknopf und seine Band leben Musik, und ihre Fans nehmen ihnen das ab, saugen das auf. Lassen sich’s gutgehen. Was mehr kann Musik bewirken?

(erschienen im Trostberger Tagblatt/Traunreuter Anzeiger)